Das Leben ist manchmal seltsam

Recoverygeschichte zum 16.12. von anonym

Das Leben ist manchmal seltsam.
An manchen Tagen überlegte ich, ob mein Leben überhaupt noch lebenswert ist. Mit 20 Jahren bekam ich eine Angst- und Panikstörung. Ich wusste bestimmt 3 Jahre nicht, was mit mir überhaupt los ist. So richtig erinnern kann ich mich nicht mehr, aber einmal ist mein Vater mit mir zu einem Psychologen gefahren. Was dabei heraus kam, weiß ich heute nicht mehr. Ein Hausarzt hat mir dann Valium verschrieben. Die Flasche habe ich ziemlich schnell entsorgt.

Irgendwann habe ich dann meine erste Psychotherapie gemacht, und wusste dann zumindest, dass mein Zustand einen Namen hat. Meinen Eltern war das ganze höchst unangenehm.

Es gab Zeiten, da stand ich unter ständiger Angst, mit wenig Pausen zum Durchatmen. Teils konnte ich nur an Begrenzungen entlang, wie einer Wand, Mauer oder Hecke, da alles unwirklich erschien und verschwommen. Meine sozialen Kontakte brach ich ab.

Plötzlich kam ich auf die glorreiche Idee mir ein Pferd zu kaufen, obwohl ich nicht mal richtig reiten konnte. Für dieses Pferd arbeitete ich weiter um es finanzieren zu können und stand immer wieder auf um es zu versorgen. Vielleicht war es mein Lebensretter.

Irgendwann brach dennoch alles zusammen. Ich brach zusammen. Mit einem „Nervenzusammenbruch“ kam ich ins Krankenhaus. Ich ließ mich quasi kündigen. Konnte es schlimmer kommen?

Und als ich dachte, es geht nicht mehr weiter, mobilisierte ich meine letzten Kräfte, um mein Leben neu zu ordnen. Und es hat funktioniert.

In dieser Zeit hatte ich bereits einen Ehemann, der mich immer unterstützt. Irgendwie waren im nachhinein immer Menschen da, die ich in den jeweiligen Etappen in meiner Krankheitsgeschichte gebraucht habe. Ich habe mich dazu durchgerungen ein Antidepressivum zu nehmen. Drei Tage lag ich im Bett und dachte ich mache einen kalten Entzug mit. Aber dann wurde es tatsächlich von Woche zu Woche etwas besser.

Ich machte eine Weiterbildung, fand wieder einen tollen Job, fing mit 37 Jahren an zu studieren. Mein Mann und unsere Tiere haben mir viel Halt gegeben. Ich habe immer mehr den Glauben an mich und meine Fähigkeiten wiedergefunden. Trotz der Ängste kann ich mir noch Träume erfüllen und leistungsfähig sein. Auch weiterhin treffe ich auf Menschen, die an mich glauben und mir wohlgesonnen sind. Dafür bin ich dankbar.

Zwar gibt es heute auch noch schlechte Tage und meine Angst ist präsent, aber ich habe dennoch ein schönes Leben und kann mich freuen und genießen.

Wenn ich genau überlege, möchte ich auch kein anderer Mensch sein. Ich kenne meine Verletzlichkeiten, ich weiß auch, dass es daher nicht immer leicht ist mit mir zu leben. Jedoch weiß ich auch, dass ich tiefer schauen kann als manch andere Menschen, mitfühlen kann, kämpfen kann für mich und andere und weiß wie wertvoll das Leben ist mit seinen guten Tagen. Ich glaube ich muss diesen Weg gehen, um eine Aufgabe zu erfüllen. Und der Weg ist nur möglich, weil ich diese Erfahrungen gemacht habe und mache.

Ich wünsche allen eine gesegnete Weihnachtszeit und den Glauben an sich und ihren persönlichen Weg. 

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