Die Stärken in den Schwächen finden

Recoverygeschichte zum 12.12.2019 von Susi Braun

Meine Recovery Geschichte…

…ist leider nur eine halbe, aber das haben einige meiner Vorredner schon angesprochen. Was psychische Krankheiten angeht, ist eine vollständige Genesung eher die Ausnahme. Und auch das ist schon wieder zu pauschal.

Es gibt Burnouts, die ein Leben verändern.

Es gibt rezidivierende Depressionen, die immer wieder aufzeigen, wenn etwas falsch läuft.

Es gibt Psychosen durch ein Hormonungleichgewicht im Hirn.

Es gibt Phasen im Leben, wo das Trauma von Außen verursacht wird, zB. durch Tod oder Trennung. 

Und so ist es auch bei mir eher eine Recovery-Reise, die vor gut 15 Jahren recht ruckelig mit Panikattacken und einer Depression begonnen hat. Damals war ich grade Anfang 20 und das Gefühl, völlig ballaballa zu sein, während alle anderen ihr Leben genießen, war rückblickend das Schlimmste. In der Psychiatrie zu sitzen, während meine Mädels in der Disko feierten.

Ich habe diesen Zustand gehasst. Ich habe ihn verdammt. Viele Jahre habe ich versucht, anders zu sein. Stärker. Medikamente auf höchster Dosierung und einige Therapien haben mich dabei unterstützt.

Mit Ende 20 wurde ich dann schwanger und musste alle Tabletten absetzen. Rückfall. Wieder von vorn, wieder dieses beschissene Gefühl der Unfähigkeit. Selbsthass.

Ich war Radio und Fernsehmoderatorin, ich hätte so viele tolle Sachen machen können – aber mir fehlte die Kraft. Ich fühlte mich unfähig, das Leben zu genießen. Unfähig, für das Wunder der Geburt meiner kerngesunden Tochter „angemessen“ dankbar zu sein. Ich wollte das nicht.

ICH WOLLTE EINFACH NUR NORMAL SEIN!

Ich glaube, der Weg der Akzeptanz, ohne sich in die Krankheit „fallen zu lassen“, war bei mir der Weg zur langsamen Heilung.

Ich habe früher immer mit mir gehadert. Dachte, ich bin zu dumm oder zu schwach, um gesund zu werden. Als ich angefangen haben, diese ständigen Bewertungen wegzulassen und mich stattdessen auf meine Stärken zu konzentrieren, konnte Linderung geschehen.

Ich bin sensibel, ja – aber dadurch auch unheimlich gut darin, mich auf andere einzulassen. Ihnen zu helfen. Ich kann Menschen helfen, die ähnliches durchleben, ich kann Lösungen aufzeigen.  
Heute arbeite ich als Journalistin und Stylistin.

Mehr über Susi und ihren Weg kannst du auf ihrem Blogazine „HEY Sister!“ lesen!

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